Da sitzen sie brav in Weiß, Schwarz und Gold, heben grazil ein Pfötchen beeindrucken. 1500 Hermeline haben sich auf dem Maria-Magdalena-Platz inmitten historischer Bausubstanz zu einer besonderen Kunst-Party versammelt. Einheimische wie Touristenströme verharren am Rand des Plastiktier-Feldes, das Ottmar Hörl, Präsident der Nürnberger Kunstakademie, in die Altstadt gepflanzt hat. Denn für Krakau ist «Kunst im öffentlichen Raum» beinahe ein Novum.
Hermeline also. Na und? Mit den staunenden Blicken der Passanten wächst bei aller Fremdheit der modernen Kunstdarstellung zunehmend die Verbundenheit zu einem der größten Kunstschätze der eigenen Stadt: Leonardo da Vincis «Dame mit Hermelin.» Auf den Plakaten hoppelt das Tierchen, auch «großes Wiesel» genannt, seiner Herrin gerne mal davon – und bewegt aufs Neue die Betrachter. Schließlich hängt die Signora unweit vom Maria-Magdalena-Platz im musealen Halbdunkel. Elitär, einsam und klimatisiert. Ist sie nun schöner als Leonardos «Mona Lisa»? Für die Krakauer selbstverständlich.
«Also, ich waas fei ned . . .» Heimatliche Klänge: Anlässlich der 30 Jahre währenden Städtpartnerschaft Nürnberg-Krakau reiste eine große Gruppe Nürnberger nach Krakau und traf dort bei verschiedenen Terminen auch auf ihren Oberbürgermeister Ulrich Maly samt begleitender Stadtrats- Delegation. Konzentriert beäugen die Nürnberger nun das klare Antlitz der porträtierten Cecilia Gallerani, das vom Betrachter weg hin zu einem verborgenen Ereignis gekehrt ist.
Faustdick hatte sie es hinter den Ohren, die Dame: Cecilia Gallerani war Gattin eines Visconti und langjährige Geliebte des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza. Das Hermelin, misstrauisch und stets zum Biss bereit, verstärkt beim Betrachter eine Spannung, die nicht aufgelöst wird. Einerseits ist das große Wiesel Wappentier Sforzas, im Winterpelz zugleich aber auch Symbol der Reinheit. Hm.
Die Artgenossen aus Plastik machen erst seit 24 Stunden auf sich und das weltberühmte Gemälde aufmerksam, schon sind zwölf verschwunden. Doch Ottmar Hörl winkt lässig ab. «Ganz wenig im Vergleich zu Nürnberg» und Bilder des einst von 7000 Dürer-Hasen ergrünten Hauptmarkts tauchen auf. Jacek Majchrowski, Präsident der Stadt Krakau, und Oberbürgermeister Ulrich Maly eröffnen schließlich die Installation, ein Geschenk Nürnbergs zum 30. Geburtstag der Städtepartnerschaft. «Neue An- und Einsichten angesichts des Kunstwerks über Kunst», wünscht Maly den Krakauer Bürgern und rät fürsorglich: «Man muss rumlaufen! Die Hermeline sitzen nämlich gar nicht still, das merkt man dann.»
Und Ottmar Hörl? Wollte nichts aus Nürnberg mitbringen, «sondern etwas aus Krakau in Krakau realisieren.» Nur eine kritische Aussage habe es während des Aufbaus gegeben. «Ich vermute, dass jeder Betrachter Gedanken zur Installation entwickelt. Und sie können mit großem Selbstbewusstsein davon ausgehen, dass es das Richtige sein wird!», macht der Professor Mut, das Hermelin-Projekt schlicht auf sich wirken zu lassen.
«Im öffentlichen Raum arbeite ich für Menschen, die hier leben. Sie sollen sich damit identifizieren können – und das hat auch geklappt», sagt er später. «Sie merken, man hat sich mit ihrer Stadt und Geschichte befasst. Das Projekt soll Grenzen aufweichen. Das ist der Sinn, wenn man als Künstler im öffentlichen Raum arbeitet, der einem ja nicht gehört.»
Gisela Borowski aus Nürnberg ist jedenfalls begeistert: «Auch der Kontrast zur Umgebung ist großartig!» Marek Bruno-Kaminski, vom Büro für internationale Zusammenarbeit in Krakau, empfindet die Installation als «irgendwie verblüffend. Ich bin an eine andere Kunst gewöhnt. Es ist interessant, gut entworfen und hat eine schöne metaphorische Bedeutung – für immer wäre es nicht duldbar. Das Kunstwerk ist wichtig als Einladung zum Nachdenken.»
Und während er die Schlagzeilen der örtlichen Presse übersetzt, gehen die Menschen vor und neben den Hermelinen in die Hocke. Zücken Fotos und Kameras und haben sichtlich Freude. Freude an Kunst.
Anabel Schaffer
27.8.2009
Hermeline aus Plastik, 2000 Stück an der Zahl, zieren den Maria-Magdalena-Platz in Nürnbergs Partnerstadt Krakau. Wie zu befürchten, handelt es sich dabei um eine Installation des Präsidenten der hiesigen Kunstakademie, Ottmar Hörl, der auf dem Platz vor der Jesuitenkirche St.Peter und Paul die 2000 Großwiesel in Schwarz-Weiß verteilt hat. Gedacht ist die Parade als Hommage an einen der größten Schätze in den Krakauer Museen: das Gemälde der «Dame mit dem Hermelin» von Leonardo da Vinci. Mit Hörls Tierleben am Festwochenende zum 30. Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Nürnberg und Krakau sollte die enge Verbindung zwischen klassischer und zeitgenössischer Kunst aufgezeigt werden. Nur Spötter meinen, die Hörlschen Hasen, Gartenzwerge oder Wiesel nutzen sich langsam ziemlich ab.
Quasi «als Verlobte grüßen» die CSU-Bundestags-Kandidaten Michael Frieser (Süd) und Dagmar Wöhrl (Nord) auf der Einladungskarte zum Knoblauchsländer Kartoffelessen am Mittwoch im evangelischen Gemeindezentrum St.Laurentius in Großgründlach. Motto: «Potack’n & Politik». Zumindest interpretieren manche das einträchtige Bild in dieser Weise. Einigen Kritikern in der CSU missfällt, dass die Nürnberger Vertretung der Partei im Bundestag bald eindeutig in Wöhrlscher Hand sein dürfte. Frieser, jetzt noch Vorsitzender der CSU-Stadtratsfraktion im Rathaus, ist im Brotberuf Syndikus im Unternehmen Wöhrl, zu dessen Dynastie seine Parteifreundin Wöhrl gehört - «Syndikusanwalt im Einzelhandel», wie er selbst angibt. Er war auch zu Beginn seiner Karriere wissenschaftlicher Mitarbeiter in Wöhrls Wahlkreisbüro, insofern weist er als Station seiner Laufbahn «wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundestag» aus. Für einige Kritikaster in der CSU bedeutet dies
in Zukunft eine fast Wöhrl-dominierte Partei - was sie kritisch sehen.
Hans Peter Reitzner
30 Jahre Städtepartnerschaft:
27.8.2009