Prasa o nas - Die schöne Venezianerin und das Dürer-Haus. Nürnberg wirbt in Krakau mit dem Meister: Riesen-Puzzle auf dem Marktplatz, Plastik-Hasen an der Hauswand
Nürnberger Nachrichten, 23.04.08, Steffen Radlmeier


KRAKAU - Jetzt gibt es auch in Krakau ein Albrecht-Dürer-Haus: Die polnische Partnerstadt Nürnbergs nahm den 480. Todestag des Meisters zum Anlass für eine kleine Hommage.

Der Marktplatz von Krakau ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt und normalerweise am Wochenende schwarz vor Menschen. In den berühmten Tuchhallen drängeln sich die Touristen vor den Souvenirständen, und die Straßencafés ringsum sind voll besetzt. Ein idealer Spielplatz für das größte Dürer-Puzzle der Welt, das die Nürnberger nun in ihrer Partnerstadt präsentierten.

Wegen des schlechten Wetters wäre die Puzzle-Aktion am letzten Sonntag fast ins Wasser gefallen. Die Mitarbeiter des Nürnberger Kulturreferats und des Amtes für internationale Beziehungen riskierten es trotz drohender Regenwolken – und konnten am Ende sogar einen Rekord melden.

Denn die kleinen und großen Krakauer setzten die 1700 Puzzle-Teile so schnell zusammen wie es bisher noch nirgends gelang. Nach gut drei Stunden war Dürers Bildnis der jungen Venezianerin fertig, vergrößert auf 300 Quadratmetern, die Uhr auf dem ehemaligen Rathausturm zeigte genau 13.24 Uhr. In Nürnberg hatte die erste Aktion 2005 sechs Stunden gedauert, im chinesischen Shenzhen neun und letztes Jahr in Rom fünf Stunden.

Großes Medieninteresse


Das Medieninteresse an der Krakauer Puzzle-Aktion war groß, sogar das polnische Fernsehen berichtete in den Nachrichten landesweit. Die Nürnberger Kulturreferentin Julia Lehner freute sich über den Erfolg der Mitmach-Aktion, die auch einen nicht zu unterschätzenden Marketing-Effekt für die Dürer-Stadt hat: «Eine Venezianerin aus Nürnberg hat die Krakauer zusammengebracht.» Lehner traf sich auch mit ihren polnischen Kollegen, um über das Jubiläumsprogramm zum 30-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft Nürnberg-Krakau 2009 zu sprechen.

Die kulturellen Beziehungen zwischen den beiden Städten haben bekanntlich eine lange Tradition. Der Nürnberger Bildhauer Veit Stoß etwa lebte von 1477 bis 1491 in Krakau und schuf in der dortigen Marienkirche eines seiner Hauptwerke: den größten Flügelaltar der Gotik mit überlebensgroßen Holzfiguren. Weniger geradlinig verlief die Karriere von Albrecht Dürers jüngerem Bruder Hans, der 1534 völlig verarmt in Krakau starb, obwohl er dort von Sigismund I. zum Hofmaler ernannt worden war.

Seit 1996 gibt es ein Nürnberger Haus in Krakau – als Pendant zum Krakauer Turm in Nürnberg. Beide Einrichtungen haben Modellcharakter und verstehen sich als kleine Kulturzentren und Kontaktbörsen, die Deutsche und Polen miteinander ins Gespräch bringen.

Das Nürnberger Haus liegt am Rande des jüdischen Stadtteils Kazimierz, wo bis 1939 über 60 000 Juden lebten. Zur Zeit informiert auch eine Foto-Ausstellung in der Nürnberger Norishalle über das Leben in dem Stetl, das heute eine Touristenattraktion in Krakau ist, obwohl es dort kaum noch Juden gibt.

Steven Spielberg hat dort seinen Welterfolg «Schindlers Liste» gedreht. Am 28. April ist der 100. Geburtstag des deutschen Fabrikanten Oskar Schindler, der während der Nazi-Diktatur 1200 Juden vor dem sicheren Tod in den Konzentrationslagern gerettet hat. Seine ehemalige Fabrik in Krakau soll in Kürze zu einer Gedenkstätte umgebaut werden.

Das Nürnberger Haus hat sich zur Zeit in ein Dürer-Haus mit (falscher) Fachwerkfassade verwandelt. (Foto: Bielawka) Und an der Hausecke klettert ein Rudel roter Dürer-Hasen von Ottmar Hörl hoch. Die Plastik-Tiere sind so begehrt, dass der Hausmeister sie abends abschrauben muss, weil in den ersten Nächten etliche der Mümmelmänner geklaut wurden.

«Die Hasen sind Stadtgespräch», sagt Renata Kopyto, die Leiterin des Nürnberger Hauses. «Eine bessere Werbung für unser Haus als solche Kunstaktionen kann man sich gar nicht denken.» Mit einem bescheidenen Jahresetat von 10 000 Euro macht sie auch Unmögliches möglich. Sie weiß, wie man an fremde Fördertöpfe herankommt und organisiert Ausstellungen, Autorenlesungen, Filmfestivals und Theaterworkshops – fast immer mit Nürnberg-Bezug.

Ein Problem besteht darin, dass es im Haus selbst bisher keinen größeren Veranstaltungsraum gibt. Man ist also auf andere Kulturinstitutionen als Kooperationspartner angewiesen. Aber auch das könnte sich schon bald ändern. Denn Renata Kopyto hofft, dass sie mit Hilfe von EU-Zuschüssen einen hochmodernen Multi-Media-Raum für verschiedene Anlässe im Nürnberger Haus einrichten kann.

Immerhin läuft seit einem Jahr die Kneipe im Erdgeschoss richtig gut: Ein junger Künstler betreibt den «Klub Lokator» und gibt gleichzeitig eine Kulturzeitung heraus.



Hörls Hermeline



Die Konkurrenz in Krakau ist groß, das Publikum anspruchsvoll. Es existiert eine rege Kunstszene in der boomenden Stadt mit 700 000 Einwohnern, darunter sehr viele Studenten. Bleibt abzuwarten, wie dort das neueste Projekt des umtriebigen Nürnberger Kunstprofessors Ottmar Hörl ankommt: Er will Leonardo da Vincis «Dame mit dem Hermelin», die in einem Krakauer Museum hängt, für eine Plakataktion benutzen. Den Hermelin soll es – wie gewohnt – in Plastik und großer Stückzahl auf dem Krakauer Marktplatz dazu geben.

Soeben erschien in der Reihe National Geographic Explorer ein neuer Kurzführer über Krakau, 7,95 Euro.